Lyrik

Der Lyrikband "Trotzigschön. Poesie aus anderswann" besticht nicht nur durch sein liebevoll gestaltetes Äußeres, sondern auch durch sein Inneres: 44 verstörend schöne Gedichte.

In kleiner Auflage erschienen und selbstverständlich auch erhältlich, entweder direkt bei der Autorin, die gerne nette Dinge hineinschreibt, oder auch im Laden um die Internetecke.

Preis: 12 Euro  •  ISBN 978-3-00-042188-4






Eine kleine Kostprobe:


märchenlandschaft

verhangen der blick auf die wiesen
vernebelt die landschaft und stumm
im braunen gras dösen alte riesen
ihre nasen sind dick,ihre träume krumm.

graue falter schütteln staubige flügel
bevor sie still weiterfliehn
am horizont verschwimmen die hügel
kannibalen sieht man gen süden ziehn.

im sirrenden flirrenden zwischenlicht
tanzen elfen in kleinen gruppen
sie stoßen kampfschreie aus, sie singen nicht
und erbeuten raupen für ihre suppen.

in schlammigen tümpeln eine unke sinnt
von märchen und freundlichen mädchen
von stroh, das sich zu golde spinnt
während regenwasser in augen rinnt
drehn wunde finger am rädchen.

bevor es nacht wird

am abend, wenn köpfchen erscheinen
wie schattenmurmeln im spiel,
wenn geister geschäftig greinen
kostet eine reise nicht viel
durch der dämmerung grenzen
durch die tore „heute“ und „traum“
fremde gesichter glänzen
am himmel wolken wie schaum

am abend, wenn wispernde stimmen
einladend locken: „komm mit
einen funkelturm erklimmen
es kostet nur einen schritt“
sammelt sich zitternde sehnsucht
über erhitztem straßenstaub
durst nach dem saft einer fremdfrucht
lust auf träume im bunten laub.

am abend wandern die seelen
die ohne heimat sind
lassen sich so einfach stehlen
vergehen mit dem wind.

untergang des nordens

noch stehn im norden
türmeweise
was immer auch der atem tut
die kleinen wolken ziehen kreise
und aus den sternen
tropft das blut
vergessen sind die schneekristalle
im ewig schwarzen hinterlicht
sie rennen rennen rennen rennen
und sehn die süden blüten nicht
wo bist du
herzens schmerzens lüge
wo bist du
kalte heiterkeit
gemauert grau
türlos verschlossen
was eis ist
wird zu weit weit weit,
zum himmelsblau
was heiß ist
das verglüht zu tau
was weiß ich
schon
du harte frau
gemahlin
einer alten welt
die hier zerbirst zerbricht zerfällt